Unterwegs

Eine Reisebeschreibung ist in erster Linie für den Beschreiber charakteristisch,
nicht für die Reise (Kurt Tucholsky).

Auf dieser Seite teile ich meine ganz persönliche, subjektive Sicht auf die Dinge, die mir unterwegs begegnen.

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Warum sind Kühe in Indien heilig?

In allen alten Hindu-Schriften und den vedischen Schriften, Puranas, Ramayana, Mahabharata u.a. wird die Kuh als heilig und verehrungswürdig beschrieben, weil sie die „Mutter des gesamten Universums“ ist. In den Veden wird erklärt, dass in allen Dingen und Lebewesen des Universums göttliche Elemente einer Gottheit vorhanden sind, allein die Kuh vereint die wesentlichen Elemente aller Gottheiten in sich. Daher wird die Kuh als Repräsentantin aller Göttinnen und Götter angesehen, sie ist „aghnya“, was bedeutet „darf nicht getötet werden“.

Auch die Ausscheidungen der Kuh sind heilig und werden vielfältig verwendet:

Gugal, eine aromatische Substanz, die den Göttern im „havanakunda“-Feuerritual geopfert wird, wird mit Kuhurin hergestellt. Gorochan, eine extrem heilige, safranfarbene Substanz, die verwendet wird um rituelle Texte und Mantren zu schreiben, enthält Kuhurin und gemahlenes Kuhhorn.

Kuhdung leitet keine Elektrizität, so dass bei Blitzeinschlägen in Häusern, die mit reichlich Kuhdung versorgt waren, kein Brand ausbrach. Daher wurde Kuhdung als „Wundersubstanz“ betrachtet.

Wenn in früheren Zeiten in einem Dorf eine Epidemie ausbrach, hat man alle Hütten mit einem kleinen Wall aus Kuhdung umgeben, um gefährliche Bakterien abzuhalten. Oft wurden auch die Fußböden mit einer Paste aus Kuhdung eingestrichen. Heute weiß man, dass Kuhdung Phosphor enthält, das effektiver ist als manche modernen Desinfektionsmittel.

Kuhdung Shampoo für gesundes und kräftiges Haar!

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Natürlich ist auch der Urin der Kuh heilig und wegen des hohen Ammoniaksgehalts desinfizierend und antiseptisch, daher wird er heute noch über heilige Objekte und Gebetsplätze gesprenkelt, um diese zu reinigen und zu desinfizieren. In der ayurvedischen Medizin werden viele medizinische Verwendungsmöglichkeiten des Kuhurins beschrieben, er soll z.B. Tuberkulose-Bakterien vernichten, bei Hauterkrankungen helfen und das Blut reinigen.

Die Milch, Quark und Ghee sind ebenfalls heilig, eine Mischung aus diesen drei plus Dung und Urin wird „panchagavya“ genannt und bei bestimmten Riten (z.B. vor Bestattungen bzw. Verbrennungen) dazu verwendet, begangene Sünden abzuschwächen.

Der Holzapfelbaum, der nach alten Schriften der Gottheit Shiva gewidmet ist, soll aus Kuhdung entstanden sein. Dieser Baum ist auch der Wohnsitz der Wohlstands-Göttin Lakshmi. Die Samen des pinkfarbenen und des blauen Lotus, die häufig mit Gottheiten abgebildet sind, sind der Sage nach aus Kuhdung entstanden.

Kühe in der freien Natur fressen nur Pflanzen, die auch dem menschlichen System zuträglich sind, wenn sie die Wahl haben. Es ist eine Tragödie, dass die Kühe heutzutage Müllberge und Plastiktüten als Futter vorfinden und die Wirkung der „göttlichen Fünf“ der alten Zeiten nicht mehr zum Tragen kommen kann.

Kuh auf Mülldeponie

Kuh auf Mülldeponie

 

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Rupies / Wechselgeld in Goa

Ein ständig präsentes und ärgerliches Problem hier in Goa ist das Wechselgeld. Es gibt nicht annähernd ausreichend kleine Scheine und Münzen. Viele Ladenbesitzer geben daher Süßigkeiten anstelle von Wechselgeld heraus, was aber auf wenig Begeisterung stößt. Denn auch ich möchte nicht bei über 30° C die Taschen voller klebriger Bonbons haben. Außerdem funktioniert das nur in eine Richtung: Ich hatte 72 Rupies zu zahlen und habe an der Kasse 70 Rupies und zwei Bonbons gezückt, das kam nicht gut an 🙂

Einige größere Geschäfte sind inzwischen dazu übergegangen, gewissermaßen ihr eigenes Geld zu drucken: es werden Gutscheine statt Wechselgeld ausgegeben. Rupies_VoucherDas hat für die Kunden allerdings den Nachteil (und für den Geschäftsinhaber den Vorteil), dass man gezwungen ist, immer im gleichen Geschäft einzukaufen, um die Gutscheine einzulösen.

Andererseits gibt es auch keine wirklich „großen“ Scheine, der größte Schein sind 1000 Rupies, was derzeit einem Wert von ca. 14 Euro entspricht. Diese relativ neuen Scheine sind allerdings sehr knapp, man bekommt aus den Automaten meist 500 Rupie- bzw. 100 Rupie-Scheine. Wenn man hier also einen größeren Betrag zu bezahlen hat, sollte man mit einer großen Tasche zum Geldautomaten gehen.

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Kühe überall in Goa

Auch wenn hier alles etwas anders ist, gehört Goa natürlich zu Indien. Und zu Indien gehören Kühe, die allgegenwärtig sind. Auch wenn sie im katholischen Goa nicht unbedingt heilig sind, werden sie doch überall geduldet und respektiert. Sie halten sich gerne – wie wir auch – am Strand auf und dösen dort vor sich hin

Kühe_am_StrandSie weiden in größeren Gruppen auf grünen Wiesen, so dass man fast meinen könnte, man wäre in Schleswig-HolsteinKühe_weidend

und sie stehen natürlich sonntags vor der Kirche, es könnte ja immer mal vorkommen, dass Süßigkeiten abfallen

Kühe_Kirche

 

 

Falls keine Süßigkeiten abfallen, machen sie sich auch schon mal selbst auf den Weg zum Kiosk, um das Sortiment dort zu prüfen und den Verkäufer zu erschrecken, denn niemand würde es hier wagen,  Kühe zu scheuchen. Sie können einen erheblichen Schaden verursachen, wenn sie das Sortiment genauer prüfen. 🙂

Kuh_KioskAuch auf den Strassen stehen sie gerne herum und halten den gesamten Verkehr auf, konnte davon aber noch kein Foto machen, ich war immer so fasziniert von der Situation, dass ich das Fotografieren schlicht vergessen habe. Ein Foto dazu folgt gelegentlich.

 

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Jackfruitbäume in Goa

Heute habe ich am Strassenrand einen riesigen Jackfruitbaum gesehen und erfahren, dass Familien im ländlichen Goa, wenn irgend möglich, mindestens einen Jackfruitbaum pflanzen. Denn diese lassen sich sehr gut verkaufen und bringen ziemlich viel Geld ein, wenn sie ausgewachsen sind. Ich konnte allerdings nicht in Erfahrung bringen, wie lange das dauert.

Jackfruit1Der Jackfruitbaum (Artocarpus heterophyllus) ist ein immergrüner Baum, der 10 bis 20 Metern hoch wachsen und einen Stammdurchmesser von 30 bis 50 Zentimetern erreichen kann. Ursprünglich beheimatet ist er in Indien, er wird aber inzwischen in allen tropischen Regionen der Welt angebaut.

Das Holz der Jackfruitbäume wird sehr gerne als besonderes Möbelholz verwendet, da es sich sehr gut polieren lässt und vor allem witterungsbeständig ist. Es wird aber auch sehr häufig für Musikinstrumente genutzt. In Indien unter anderem für die Fasstrommel Maddale,  in Kerala für die Zylindertrommel Chenda und in Australien auch für Didgeridoos.

In Südindien gilt der Baum als Wohnort der hinduistischen Göttin Kali und ist heilig. Daher werden Altarbildnisse der Göttin und die Krone für den Hauptdarsteller in einem religiösen Tanzdrama auf rituelle Weise aus Jackfruitholz gefertigt.

Die Jackfrüchte wachsen direkt am Stamm, sind unterschiedlich groß und reifen während der Regenzeit von Juli bis August. Die Sammelfrüchte werden sehr groß (ca. 30 – 100 cm lang) und jede Frucht ist unterschiedlich geformt. Jackfruit2Die Jackfruits können bis zu 15 kg wiegen.

Manche Bäume tragen sehr viele kleine und mittelmäßig große Früchte, so dass sich keine großen Früchte entwickeln können. Die kleinen unreifen Früchte werden dann in größerer Anzahl entfernt, sie werden eingelegt bzw. zu einem bei den Goanern sehr beliebten Gemüse zubereitet. Das habe ich leider noch auf keiner Speisekarte gefunden, halte aber weiter Ausschau und berichte dann über den Geschmack.

 

 

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Sicherheit am Strand in Goa/Benaulim

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich mich hier in Goa sicher fühle, ob man als Frau problemlos alleine unterwegs sein kann etc. Ich fühle mich hier sehr sicher, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit und abgesehen davon werden ich und alle anderen gut bewacht. An normalen Tagen patroullieren Polizeistreifen meist zu zweit überwiegend am Strand (das ist doch mal ein schöner Arbeitsplatz), Polizei_amStrand2
aber auch in den Orten zeigt die Polizei viel Präsenz. An Wochenenden oder bei größeren Veranstaltungen werden die Polizeistreifen vergrößert, es sind dann Gruppen zu viert oder zu sechst unterwegs, denn auch Taschendiebe sind hier ein Problem.Polizei_am_Strand

 

Und auch Life-Guards sind zahlreich und unermüdlich im Einsatz, neben einer Basisstation gibt es viele mobile Außenposten, die meist im Jeep unterwegs sind. Allerdings meist mit einem Affenzahn, so dass ich bezweifele, das Menschen in Notlagen bemerkt werden würden. LifeGuard_mobil
Die anderen, nicht mobilen Life-Guards sitzen tagsüber total vermummt am Strand, um sich vor der Sonne zu schützen. Oft ist der Wind direkt am Strand so stark, dass das Aufstellen eines Sonnenschirms o.ä. nicht möglich ist.LifeGuard_portrait

Ich bekomme schon vom Zusehen fast einen Sonnenstich, aber auch indische Urlauber sieht man in der prallen Sonne in Sweatshirts mit Kapuze am Strand entlanglaufen. Da bin ich dann doch froh, dass der Strand nicht mein Arbeitsplatz ist und ich mich bei Bedarf im Schatten aufhalten kann.

 

 

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Reisanbau in Süd-Goa

Eine der wichtigen Einkommensquellen für die Goaner ist neben Fischfang und Tourismus der Reisanbau. Zweimal im Jahr wird angebaut und geerntet. Der Reisanbau ist eine sehr aufwendige Angelegenheit. Nach der Ernte ruht der Boden eine Weile und wird dann mit Hilfe von Ochsen oder Wasserbüffeln mit einem Brett eingeebnet.Büffel_Reisfeld_ebnen1
Das ist sehr mühsam, oft muss der Reisbauer vom Brett absteigen, um den Schlamm zu entfernen. Wenn zu viel Schlamm kleben bleibt, wird der Boden nicht eben und es wird außerdem für die Tiere zu mühsam (und dauert dann zu lange). Büffel-Reisfeld_Bearbeitung2 Aufgefallen ist mir, dass, wenn Büffel oder Ochsen paarweise eingesetzt werden, zwei Tiere ausgewählt werden, deren Hörner „sich nicht ins Gehege kommen“. Büffel_Reisfeldbearbeitung3

Auch wenn es auf den Fotos nicht unbedingt so aussieht, ist das Wasser in Goa sehr knapp und es werden neue Methoden für den Reisanbau erprobt, um mit geringerem Einsatz von Ressourcen langfristig höhere Reiserträge zu erzielen.  Z.B. wird der Abstand der Pflanzen erhöht, damit sich Wurzeln, Triebe und Ähren besser entwickeln können und dadurch wird auch Saatgut gespart. Früher standen die Pflanzen ca. 150 Tage im Wasser, bei der neueren Anbaumethode wird der Reis nur die ersten 75 Tage feucht gehalten und es wird versucht, über längere Zeit stehendes Wasser zu vermeiden. Die Pflanzen entwickeln sich wohl besser, wenn die Wurzeln nicht so lange unter Wasser stehen. Und man versucht auf diese Weise auch, Brutstätten für Moskitos aller Art einzudämmen.

Zuerst werden die Pflanzen in Büscheln auf den Feldern verteiltReispflanzen und dann wird in sehr mühsamer Arbeit, mit gebeugtem Rücken im Wasser bzw. Schlamm stehend, jeder einzelne Setzling per Hand eingepflanzt. Und es ist auch nicht ungefährlich, da sich in dem schlammigen Wasser jede Menge Getier und Krankheitserreger aufhalten.
Reispflanzen2Die Setzlinge wachsen sehr schnell, wie man auf den Fotos sieht. Die vorderen Felder sind noch nicht bepflanzt, während die im Hintergrund und vor ein paar Tagen bepflanzten schon grün sind.
Nachdem ich diese mühsame Arbeit beobachtet habe, stört mich der oft unachtsame Umgang mit Reis noch mehr als vorher. Auch hier in Goa werden zum Hauptgericht große Portionen Reis serviert, von denen klar ist, dass ein großer Teil davon nicht gegessen wird und im Abfalleimer landet bzw. bestenfalls als Schweinefutter endet. Aber einige Restaurantbesitzer sind bereits dazu übergangen (wenn vielleicht auch aus anderen Gründen), den Reis nicht mehr als kostenlose Beilage zu servieren, sondern man kann den Reis als kleine oder als große Portion separat bestellen. Und dann hat man auch die Wahl zwischen Kokosreis, Lemonreis, Butterreis …

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Benaulim (Goa) im Winter

sieht ungefähr so aus und ist immer eine Reise wert:
Benaulim_Strand_Kokosnuss Aber Goa hat natürlich nicht nur herrliche Strände zu bieten, sondern auch viele interessante Einblicke in eine völlig andere Welt und und eine ziemlich entspannte Lebensweise (sussegado: take it easy). Das färbt ab und so müssen alle auf meine Beiträge in diesem Blog etwas warten.

Morgens gehe ich meistens an den Strand von Benaulim (5 Min. mit dem Fahrrad), genieße die Morgenkühle und trinke das Wasser einer Kokosnuss. Etwas später kommt die Kokosnussverkäuferin dann noch einmal vorbei, um die Kokosnuss zu teilen, damit ich auch das Fleisch essen kannKokosnuss-Strand. Früh morgens sind die Kokosnüsse noch kühl von der Nacht und besonders lecker.
Abends wird aus den Kokosnüssen eine süß-scharfe Suppe mit Shrimps gekocht. Kokosnuss mit ShrimpsSchmeckt köstlich!
Stelle gerade fest, dass ich seitenlang über Kokosnüsse und ihre Verwendung schreiben könnte, später mehr zu Kokospalmen, Kokosöl, Kokosmilch, Kokoswasser, Kokos-Pfannkuchen usw.

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